Schmidtsches Orthonormierungsverfahren (Gram–Schmidt)

Dieses Kapitel erklärt das Schmidtsche Orthonormierungsverfahren in der in Stuttgart üblichen Notation mit dem Skalarprodukt \(\langle v \mid w \rangle\). Ziel: aus einer beliebigen Basis eine Orthonormalbasis konstruieren.

1. Motivation

In vielen Anwendungen (Diagonalisierung symmetrischer Matrizen, Projektionen, Hessesche Normalform, Hauptachsentransformation) benötigen wir eine Orthonormalbasis.

Eine Familie von Vektoren \( (f_1,\dots,f_n) \) heißt
Warum ist das nützlich? Mit einer Orthonormalbasis sind Projektionen, Koordinatenberechnungen und Matrixdarstellungen besonders einfach.

2. Projektion

Die Projektion eines Vektors \(v\) auf einen Vektor \(u\neq 0\) ist definiert durch \[ \mathrm{proj}_u(v) = \frac{\langle u \mid v \rangle}{\langle u \mid u \rangle} \, u. \]

Diese Formel wird im Gram–Schmidt-Verfahren ständig benutzt.

3. Das Verfahren (allgemein)

Gegeben sei eine linear unabhängige Familie \[ (b_1,\dots,b_n) \] in einem Skalarproduktraum (z.B. \(\mathbb{R}^n\) mit \(\langle v \mid w \rangle = \sum v_i w_i\)).

Schmidt-Orthogonalisierung. Wir konstruieren Vektoren \(u_1,\dots,u_n\) rekursiv: \[ u_1 = b_1, \] \[ u_k = b_k - \sum_{j=1}^{k-1} \frac{\langle u_j \mid b_k \rangle}{\langle u_j \mid u_j \rangle} u_j. \]

Dadurch werden aus den \(b_k\) zunächst orthogonale Vektoren \(u_k\).

Normierung. \[ f_k = \frac{u_k}{\|u_k\|}, \qquad \|u_k\| = \sqrt{\langle u_k \mid u_k \rangle}. \]
Die Vektoren \( (f_1,\dots,f_n) \) bilden eine Orthonormalbasis desselben Unterraums wie \( (b_1,\dots,b_n) \).

4. Schritt-für-Schritt-Rezept (Klausur)

  1. Setze \(u_1=b_1\).
  2. Berechne \(u_2=b_2-\mathrm{proj}_{u_1}(b_2)\).
  3. Berechne \(u_3=b_3-\mathrm{proj}_{u_1}(b_3)-\mathrm{proj}_{u_2}(b_3)\).
  4. usw.
  5. Normiere: \(f_k=\frac{u_k}{\|u_k\|}\).
Wichtig: Immer mit den u-Vektoren arbeiten (orthogonal, aber noch nicht normiert), nicht mit den bereits normierten \(f\)-Vektoren.

5. Beispiel in \(\mathbb{R}^3\)

Gegeben: \[ b_1=\begin{pmatrix}1\\1\\0\end{pmatrix}, \quad b_2=\begin{pmatrix}1\\0\\1\end{pmatrix}. \] Schritt 1: \[ u_1=b_1. \] Schritt 2: \[ \mathrm{proj}_{u_1}(b_2) = \frac{\langle u_1 \mid b_2 \rangle} {\langle u_1 \mid u_1 \rangle} u_1. \] Berechnung: \[ \langle u_1 \mid b_2 \rangle = 1\cdot1 + 1\cdot0 + 0\cdot1 = 1, \] \[ \langle u_1 \mid u_1 \rangle = 1^2+1^2+0^2=2. \] Also \[ u_2 = b_2 - \frac{1}{2}u_1 = \begin{pmatrix}1\\0\\1\end{pmatrix} - \frac12 \begin{pmatrix}1\\1\\0\end{pmatrix} = \begin{pmatrix}\frac12\\-\frac12\\1\end{pmatrix}. \] Normierung: \[ f_1=\frac{u_1}{\|u_1\|}, \qquad f_2=\frac{u_2}{\|u_2\|}. \]

6. Zusammenhang mit symmetrischen Matrizen

Bei symmetrischen Matrizen liefert der Spektralsatz eine Basis aus Eigenvektoren. Falls ein Eigenwert mehrfache geometrische Vielfachheit besitzt, kann man innerhalb dieses Eigenraums das Gram–Schmidt-Verfahren anwenden, um eine Orthonormalbasis zu erhalten.

Für symmetrische Matrizen erhält man dadurch eine orthogonale Matrix \(Q\) mit \[ A = Q D Q^T. \]

7. Typische Klausuraufgaben

8. Häufige Fehler

9. Zusammenfassung

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