Diagonalisierbarkeit und symmetrische Matrizen
Dieses Kapitel behandelt die Diagonalisierbarkeit von Matrizen,
das zentrale Kriterium über Eigenräume sowie den Spezialfall
symmetrischer Matrizen mit dem Spektralsatz.
Ziel: typische Altklausur-Aufgaben sicher lösen.
1. Diagonalisierbarkeit – Grundidee
Eine Matrix ist diagonalisierbar, wenn sie in einer geeigneten Basis
als Diagonalmatrix dargestellt werden kann.
Definition (Diagonalisierbarkeit).
Eine Matrix \(A\in K^{n\times n}\) heißt diagonalisierbar über \(K\),
wenn es eine invertierbare Matrix \(S\) und eine Diagonalmatrix \(D\) gibt mit
\[
A = S D S^{-1}.
\]
Bedeutung.
In der Basis der Spalten von \(S\) wirkt \(A\) nur noch durch
Multiplikation mit den Eigenwerten.
2. Zusammenhang mit Eigenvektoren
Zentrales Kriterium.
Eine Matrix \(A\in K^{n\times n}\) ist genau dann diagonalisierbar,
wenn es \(n\) linear unabhängige Eigenvektoren gibt.
Sind \(v_1,\dots,v_n\) linear unabhängige Eigenvektoren
zu Eigenwerten \(\lambda_1,\dots,\lambda_n\), dann gilt
\[
S = (v_1 \ \vert \ \dots \ \vert \ v_n),
\qquad
D = \mathrm{diag}(\lambda_1,\dots,\lambda_n),
\]
und damit
\[
A = S D S^{-1}.
\]
Merksatz.
Diagonalisieren heißt:
- Eigenwerte bestimmen
- Eigenräume berechnen
- Prüfen, ob genug unabhängige Eigenvektoren existieren
3. Rolle der Vielfachheiten
Diagonalisierbarkeits-Kriterium über Vielfachheiten.
\(A\) ist diagonalisierbar genau dann, wenn für alle Eigenwerte \(\lambda\) gilt:
\[
d_\lambda = e_\lambda.
\]
Dabei ist
- \(e_\lambda\): algebraische Vielfachheit
- \(d_\lambda\): geometrische Vielfachheit
Wichtig.
Wenn für einen Eigenwert gilt \(d_\lambda < e_\lambda\),
dann ist die Matrix nicht diagonalisierbar.
4. Schritt-für-Schritt-Algorithmus (Klausur)
Rezept.
- Charakteristisches Polynom \(\chi_A(\lambda)\) bestimmen.
- Eigenwerte und algebraische Vielfachheiten \(e_\lambda\) ablesen.
- Eigenräume \(V(\lambda)=\ker(A-\lambda I)\) berechnen.
- Geometrische Vielfachheiten \(d_\lambda\) bestimmen.
- Prüfen: gilt \(\sum d_\lambda = n\)?
- Falls ja: Matrix \(S\) aus Eigenvektoren bilden und \(D\) aufstellen.
5. Beispiel – nicht diagonalisierbar
Sei
\[
A=\begin{pmatrix}
1 & 1\\
0 & 1
\end{pmatrix}.
\]
\[
\chi_A(\lambda)=(1-\lambda)^2.
\]
Also \(e_1=2\).
Berechne \(\ker(A-I)\):
\[
A-I=\begin{pmatrix}
0 & 1\\
0 & 0
\end{pmatrix}.
\]
Daraus folgt \(x_2=0\), \(x_1\) frei → \(d_1=1\).
Da \(d_1
6. Beispiel – diagonalisierbar
Sei
\[
A=\begin{pmatrix}
2 & 0\\
0 & 3
\end{pmatrix}.
\]
\[
\chi_A(\lambda)=(2-\lambda)(3-\lambda).
\]
Zwei verschiedene Eigenwerte ⇒ automatisch zwei unabhängige Eigenvektoren.
Damit ist \(A\) diagonalisierbar.
Satz.
Hat eine \(n\times n\)-Matrix \(n\) paarweise verschiedene Eigenwerte,
dann ist sie diagonalisierbar.
7. Symmetrische Matrizen
Definition.
Eine Matrix \(A\in\mathbb{R}^{n\times n}\) heißt symmetrisch, wenn
\[
A^T = A.
\]
Spektralsatz.
Jede symmetrische Matrix \(A\in\mathbb{R}^{n\times n}\)
- besitzt nur reelle Eigenwerte,
- ist diagonalisierbar,
- besitzt eine Orthonormalbasis aus Eigenvektoren.
Es existiert eine orthogonale Matrix \(Q\) mit
\[
A = Q D Q^T.
\]
Dabei ist \(Q^T=Q^{-1}\).
Warum ist das stark?
Orthogonale Diagonalisierung vereinfacht:
- Quadriken
- Hessesche Normalform
- Extremwertaufgaben
- Hauptachsentransformation
8. Orthonormale Eigenvektoren
Satz.
Eigenvektoren zu verschiedenen Eigenwerten einer symmetrischen Matrix
sind orthogonal.
Sei
\[
A=\begin{pmatrix}
2 & 1\\
1 & 2
\end{pmatrix}.
\]
\[
\chi_A(\lambda)=(2-\lambda)^2-1=\lambda^2-4\lambda+3.
\]
Eigenwerte: \(\lambda_1=1,\ \lambda_2=3\).
Die zugehörigen Eigenvektoren sind orthogonal.
Nach Normierung erhält man eine orthonormale Basis.
9. Prüfungsrelevante Spezialfälle
- Symmetrische Matrizen → immer diagonalisierbar.
- Obere/untere Dreiecksmatrizen → Eigenwerte = Diagonaleinträge.
- Ein Eigenwert mit voller geometrischer Vielfachheit → diagonalisierbar.
Typischer Fehler.
Nicht jede diagonalisierbare Matrix ist symmetrisch.
Symmetrie ist eine hinreichende, aber keine notwendige Bedingung.
10. Zusammenfassung
Kernpunkte.
- Diagonalisierbar ⇔ genügend Eigenvektoren.
- \(d_\lambda=e_\lambda\) für alle \(\lambda\).
- Symmetrische Matrizen sind orthogonal diagonalisierbar.
- Unterschiedliche Eigenwerte ⇒ automatisch diagonalisierbar.